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Schwindeldiagnostik kompakt · Otolithenfunktion

vOCR

Video Ocular Counter-Roll · Otolithenfunktion per Kopfneigung

Der vHIT prüft die Bogengänge – für die Otolithen fehlte am Untersuchungsplatz bisher ein ebenso einfacher Test. Der vOCR misst mit der Videobrille, wie weit die Augen bei seitlicher Kopfneigung gegensinnig rollen. Das zeigt die Funktion des Utrikulus – ohne Schallreiz, ohne Elektroden, in wenigen Minuten.

Statische Kopfneigung 30°Utrikulus-FunktionOhne Schallreiz und ElektrodenErgänzt den vHIT

So läuft der Test ab Alle Tests Fachinformation (PDF)

Was der Test misst

Den otolith-okulären Reflex des Utrikulus

Neigt man den Kopf zur Schulter, drehen beide Augen um die Sehachse in die Gegenrichtung – die okuläre Gegenrollung (Ocular Counter-Roll, OCR).

In der Bewegung wirken Bogengänge und Otolithen (Torsionsnystagmus). Wird die Neigung gehalten, bleibt eine statische Torsion, die vor allem der Utrikulus erzeugt – sie misst der vOCR.

Die Videobrille erkennt die Torsion am Irismuster und misst zugleich die Kopfneigung. Ergebnis: Torsion in Grad und Gain = Torsion ÷ Neigung. Gesunde rollen bei 30° Neigung etwa 4–5° gegensinnig (Gain ≈ 0,15–0,2).

vOCR-Prinzip: Kopf aufrecht und 30° geneigt, Augen rollen gegensinnig; Verlauf der Augentorsion

Schematisch, Torsion überzeichnet. Grafik aus der Fachinformation vOCR.

So läuft der Test ab

Dauer ca. 7 Minuten · Patient sitzend · Videobrille mit Torsionsmessung

1

Vorbereiten

Patient sitzt aufrecht und fixiert ein Ziel auf Augenhöhe (ca. 1,3 m). Brille fest aufsetzen, Referenz für Iris und Kopflage aufrecht setzen.

2

Ausgangswert

30 s aufrecht bei Fixation aufzeichnen. Daraus ergibt sich die Ausgangstorsion.

3

Neigen

Kopf passiv 30° zur Schulter neigen – ohne Nicken oder Drehen. Den Winkel über den Lagesensor der Brille kontrollieren.

4

Halten

Neigung 30 s halten, Patient fixiert weiter. Gewertet wird die statische Phase nach Abklingen des Torsionsnystagmus.

5

Wiederholen

30 s zurück in die Mitte. Insgesamt je 3 × rechts und links in zufälliger Folge; Mittelwert je Seite.

Variante Ganzkörperneigung: Kopf und Rumpf gemeinsam um 30° neigen (Hals z. B. mit Halskrawatte fixiert). Dann fehlt der Beitrag der Halspropriozeption – ein Otolithendefizit zeigt sich deutlicher. Gleichzeitig wird sichtbar, wie stark der Patient über den Hals kompensiert.

Studienlage · Johns Hopkins

vOCR bei 30° Kopfneigung

Gesund
4,7°
Einseitiger Ausfall
2,7°
Beidseitiger Ausfall
1,6°

gestrichelt: Grenzwert 3°

  • Grenzwert 3°: Sensitivität 80 %, Spezifität 81 % – so treffsicher wie VEMP
  • Gut reproduzierbar (Streuung ≈ 0,5°)
  • Gain sinkt nach Ausfall und erholt sich: akut 0,08 → subakut 0,11 → chronisch 0,13 (gesund 0,18)

Klinischer Nutzen

Wann der vOCR hilft

  • Otolithen-Screening am Untersuchungsplatz, im selben Termin wie der vHIT
  • Verlaufsmarker der Kompensation nach Neuritis vestibularis oder Schwannom-Operation
  • Wenn VEMP nicht ableitbar oder nicht verfügbar ist – der vOCR braucht keinen Schallreiz
  • Deutliche Seitenasymmetrie im chronischen Stadium kann auf eine zentrale Läsion hinweisen

Einordnung

vOCR im Testverbund

vHITvOCRoVEMPcVEMP
OrganBogengängeUtrikulusUtrikulusSacculus
ReizKopfimpulsNeigung 30°Schall / VibrationSchall / Vibration
Seitejanur Ausfalljaja
AufwandBrilleBrilleElektrodenElektroden

Grenzen: Bei chronischem einseitigem Ausfall sind beide Seiten ähnlich reduziert – die betroffene Seite bestimmen vHIT oder VEMP. Den Sacculus erfasst der vOCR nicht – dafür bleibt das cVEMP. Normwerte stammen aus kleinen Kollektiven.

Ergebnis

Was Sie im Ergebnis sehen

  • Torsion in Grad je Seite, aufrecht und in Neigung
  • Gain (Torsion ÷ Neigung) je Seite und Seitenvergleich
  • Messmodus: nur Kopf oder Ganzkörperneigung
  • Verlauf über mehrere Untersuchungen, PDF-Bericht

Ergänzt sich mit

vHIT

Prüft die Bogengänge im hohen Frequenzbereich – zusammen mit dem vOCR im selben Termin ein vollständigeres Bild der peripheren Funktion.

Kalorische Prüfung

Seitengetrennte Prüfung des lateralen Bogengangs im niedrigen Frequenzbereich.

SHIMP

Zweites Kopfimpuls-Paradigma, hilfreich bei Restfunktion und im Verlauf.

Mit Merlin

Der vOCR ist ein Softwaremodul für die Merlin Video-Brille. Er nutzt die Torsionsmessung am Irismuster und den Lagesensor der Brille.

ModulMerlin vOCR
Enthalten inMerlin Complete
BenötigtMerlin Video-Brille mit Torsionsmessung
Einzeln per Abruf (Pay-per-Use)23,80 € je UntersuchungMöglich – Preis auf Anfrage

Preise und Lizenzmodelle Merlin entdecken

Merlin Video-Brille

Preise brutto inkl. 19 % USt (Deutschland). Abruf: eine Untersuchung je Patient und Tag; Voraussetzung ist ein Wartungsvertrag oder ein Abo auf dem System.

Häufige Fragen

Nein. Der vOCR läuft auf der Merlin Video-Brille – ohne Elektroden und ohne Schallreiz.

Beide erfassen den Utrikulus. Der oVEMP misst eine Muskelantwort auf einen Schall- oder Vibrationsreiz und zeigt die Seite. Der vOCR misst die Augenbewegung bei natürlicher Kopfneigung und zeigt vor allem, ob ein Ausfall vorliegt.

Nur eingeschränkt: Im chronischen Stadium sind beide Seiten oft ähnlich reduziert. Die Seite bestimmen vHIT oder VEMP.

Etwa 7 Minuten, im Sitzen.

Literatur

  • Otero-Millan J, Treviño C, Winnick A, Zee DS, Carey JP, Kheradmand A. The video ocular counter-roll (vOCR): a clinical test to detect loss of otolith-ocular function. Acta Otolaryngol 2017;137(6):593–597.
  • Yang Y, Tian J, Otero-Millan J, Schubert MC, Kheradmand A. Video ocular counter-roll (vOCR): otolith-ocular function and compensatory effect of the neck following vestibular loss. Otolaryngol Head Neck Surg 2023. doi:10.1002/ohn.304
  • Otero-Millan J, Roberts DC, Lasker A, Zee DS, Kheradmand A. Knowing what the brain is seeing in three dimensions: a novel technique for measuring ocular torsion. J Vis 2015;15(14):11.

Fachinformation vOCR als PDF

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